Angewandte Kunst Nrw

Der Staatspreis für das Kunsthandwerk NRW: Geschichte, Nominierung und Preisträger

Der Staatspreis für das Kunsthandwerk NRW: Geschichte, Nominierung und Preisträger

Seit mehr als sechs Jahrzehnten setzt das Land Nordrhein-Westfalen mit dem Staatspreis für das Kunsthandwerk ein klares Signal: Handwerkliche Kunst hat einen festen Platz in der Kulturpolitik des Landes. Die Auszeichnung gehört zu den traditionsreichsten und finanziell bedeutendsten ihrer Art in ganz Deutschland – und hat im Laufe der Zeit viele außergewöhnliche Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus NRW ins Rampenlicht gerückt.

Von den Anfängen bis heute

Der Staatspreis für das Kunsthandwerk in Nordrhein-Westfalen wurde 1963 erstmals vergeben. Die Idee dahinter war und ist einfach: Das gestalterische Handwerk soll sichtbar gemacht, gefördert und gesellschaftlich anerkannt werden. Alle zwei Jahre ruft die Landesregierung seither zur Bewerbung auf – ein Rhythmus, der dem Wettbewerb Gewicht verleiht und die Spannung zwischen den Jahrgängen aufrechterhält.

Über die Jahrzehnte wurde der Preis mehrfach weiterentwickelt. Lange unter dem Namen MANU FACTUM bekannt – ein bewusster Verweis auf das Lateinische für „von Hand gemacht" – trägt er seit 2023 den Namen MANUFACTUM und heißt vollständig: Staatspreis für angewandte Kunst und Design im Handwerk. Die Umbenennung spiegelt eine inhaltliche Weiterentwicklung wider: Design und Innovation stehen heute noch stärker im Vordergrund, ohne dass die handwerkliche Meisterschaft in den Hintergrund tritt.

Was der Preis bedeutet – und was er auszeichnet

Mit einem Gesamtpreisgeld von 60.000 Euro zählt der Staatspreis Kunsthandwerk NRW zu den bedeutendsten Auszeichnungen seiner Art in Deutschland. Vergeben werden bis zu sechs Einzelpreise à 10.000 Euro, jeweils verbunden mit einer Urkunde des Landes.

Die Kategorien decken das gesamte Spektrum des gestaltenden Handwerks ab:

  • Bild- & Druckmedien
  • Kleidung & Textil
  • Möbel
  • Objekt & Skulptur
  • Schmuck
  • Wohnen & Außenbereich

Diese Bandbreite macht deutlich: Der Preis richtet sich nicht an eine einzige Sparte, sondern versteht Kunsthandwerk als vielgestaltiges Feld, das von der Goldschmiedin bis zur Möbelgestalterin reicht.

Der Nominierungs- und Jurierungsprozess

Ein zentrales Merkmal des Verfahrens ist seine Anonymität. Die eingereichten Arbeiten werden in einem anonymisierten Prozess bewertet – die Jury entscheidet also allein auf Grundlage der Werke, nicht aufgrund von Namen oder Reputation. Das schafft faire Chancen und schützt das Verfahren vor Beziehungsnetzwerken.

Ablauf in zwei Stufen:

  1. Vorauswahl durch eine Fachjury – Expert:innen aus dem Bereich Kunsthandwerk sichten die Bewerbungen und treffen eine erste Auswahl.
  2. Endentscheidung durch eine erweiterte Kommission – Vertreter:innen aus Kunsthandwerk, Wissenschaft, Architektur, Museen und der Landesregierung NRW entscheiden gemeinsam über die Preisträger:innen.

Diese plurale Zusammensetzung der Jury sorgt dafür, dass unterschiedliche Perspektiven einfließen – von der praktischen Handwerkserfahrung bis zur kulturpolitischen Einordnung.

Wer sich bewerben möchte, muss seinen Arbeitsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen haben. Verbände wie die Angewandte Kunst NRW e.V. spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie informieren Mitglieder über laufende Ausschreibungen, begleiten Bewerbungsprozesse und stärken die Sichtbarkeit regionaler Kunsthandwerker:innen gegenüber dem Land.

Frühere Preisträgerinnen und Preisträger

Der Staatspreis hat über die Jahrzehnte eine beeindruckende Reihe von Talenten ausgezeichnet. Ein Blick auf vergangene Jahrgänge zeigt die regionale Vielfalt innerhalb von NRW:

Staatspreis 2017

Beim Jahrgang 2017 wurden ausgezeichnet:

  • Ira Marom aus Düren – für ihre Arbeit im Bereich Medien/Bild- & Druckmedien
  • Ulrike Becker aus Münster – in der Kategorie Möbel
  • Alessa Joosten aus Düsseldorf – für herausragende Arbeit im Schmuckdesign
  • Barbara Hattrup aus Salzkotten – in der Kategorie Objekt & Skulptur
  • Konrad Koppold aus Leverkusen – für Arbeiten im Bereich Wohnen & Außenbereich

Staatspreis 2021

Der Jahrgang 2021 stand im Zeichen der Pandemie – und bewies trotzdem die anhaltende Vitalität des NRW-Kunsthandwerks. Die Preisverleihung, die unter dem Namen MANU FACTUM stattfand, ehrte erneut Kunsthandwerker:innen aus dem gesamten Bundesland und unterstrich die stilistische und technische Bandbreite des Feldes.

Diese Preisträger:innen stehen stellvertretend für viele weitere, die über die Jahrzehnte ausgezeichnet wurden – und die durch den Staatspreis Sichtbarkeit erhalten haben, die weit über die eigene Region hinausreicht.

Warum dieser Preis zählt

In Zeiten industrieller Massenproduktion und digitaler Reproduzierbarkeit setzt der Staatspreis Kunsthandwerk NRW ein bewusstes Gegengewicht. Er würdigt das Unikat, das Material, die Zeit und das Können, die in jedem einzelnen Stück stecken. Für die ausgezeichneten Kunsthandwerker:innen bedeutet er nicht nur finanzielle Anerkennung, sondern auch eine deutliche Stärkung ihrer professionellen Positionierung – gegenüber Auftraggebern, Galerien, Museen und der kulturpolitischen Öffentlichkeit.

Alle Details zum aktuellen Wettbewerb, den Kategorien und dem Bewerbungsverfahren finden sich auf der offiziellen Seite des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW.

Der Preis ist mehr als eine Auszeichnung – er ist ein Bekenntnis des Landes zu einer Kunstform, die Tradition und Gegenwart verbindet.